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15.03.2019, Cham

Chefarzt Dr. Florian Stadler informiert über Darmerkrankungen – Jeder hat es in der Hand, sein Darmkrebsrisiko zu minimieren.

Alarm im Darm – Ist Darmkrebs Schicksal?

Chefarzt Dr. Florian Stadler

Cham, 15. März. „Es gibt kein zu jung für Darmkrebs. Rede mit Deiner Familie!“, so lautet das Motto im Monat März, der bereits zum 18. Mal in ganz Deutschland unter dem Zeichen der Darmkrebsvorsorge steht. Darmkrebs ist in Deutschland die zweithäufigste krebsbedingte Todesursache. Dabei kann kaum einer Krebsart so leicht vorgebeugt werden. Denn: 90 Prozent aller Todesfälle an Darmkrebs könnten vermieden werden. Dr. Florian Stadler, Chefarzt der Abteilung für Allgemein- und Visceralchirurgie erläutert wichtige Fragen zu diesem Thema.

Ist Darmkrebs Schicksal?

Dr. Stadler: Oft hört man, der oder die habe ja selbst Schuld an seiner Krebserkrankung. Schließlich habe er/sie sich jahrelang viel zu wenig bewegt und außerdem auch noch völlig ungesund gegessen. Dabei ist Krebs nie eine Frage von „Schuld“. Jeder von uns hat ein Risiko von zirka sechs Prozent, im Laufe seines Lebens an Darmkrebs zu erkranken. Dieses Risiko hängt von einer Reihe von Faktoren wie genetischen Vorbelastungen, Umwelt- und Verhaltenseinflüssen ab, die nicht ausgeschaltet werden können. Gefeit ist vor Darmkrebs also niemand.

Aber?

Dr. Stadler: Jeder von uns hat es selbst in der Hand, durch Darmkrebsvorsorge bzw. Darmkrebsfrüherkennung sein persönliches Risiko günstig zu beeinflussen. Darmkrebs fällt nicht vom Himmel, er entsteht aus Vorstufen, den Polypen, die sich über gutartige Tumoren (den Adenomen) letztlich zu Darmkrebs weiter verändern. Im Zuge einer Darmspiegelung etwa werden alle Vorstufen (Polypen, Adenome) entfernt, aus denen eine Krebserkrankung hervorgehen kann. Die Spiegelung des Darms ist weitgehend schmerzfrei und schon nach wenigen Minuten hat man Gewissheit. Sie ist viel verlässlicher als der Test auf verborgenes Blut im Stuhl, der heute nur als immulogischer Test noch empfohlen wird. Regelmäßig durchgeführt, lässt sich der Darmkrebs mit ganz hoher Wahrscheinlichkeit verhindern!

In welchem Alter entsteht Darmkrebs typischerweise?

Dr. Stadler: Darmpolypen und Darmkrebs können in jedem Alter entstehen. Jedoch steigt ab dem 40. Lebensjahr das Risiko der Bildung von Darmpolypen deutlich an. Ab dem 50. Lebensjahr steigt das Darmkrebsrisiko dann für jeden Menschen fast exponentiell an. Menschen mit familiärer Vorbelastung haben ein noch viel höheres individuelles Darmkrebsrisiko.

Wenn Darmkrebs so leicht zu verhindern ist, warum kämpfen Ärzte dann immer noch mit der Akzeptanz der Darmspiegelung?

Dr. Stadler: Das hat mehrere Gründe. Zum einen tut Darmkrebs und seine Vorstufen nicht weh, man spürt ihn nicht sofort. Viele wissen also nicht, dass Sie ihn vielleicht schon haben. Und wer lässt sich zum anderen – um es ganz einfach und platt zu formulieren – schon gerne „hinten“ reinschauen? Alles, was mit dem (End-)Darm und der Verdauung zu tun hat, wird landläufig immer noch als unangenehm und unappetitlich betrachtet. Darum ist die Hemmschwelle dahingehend groß und das Thema schambehaftet.

Trifft das auf beide Geschlechter in gleichem Maße zu?

Dr. Stadler: Nein. Interessanterweise ist die Akzeptanz bei Frauen höher als bei Männern. Oft sind es die Ehefrauen, die ihre Männer zur Vorsorge drängen. Mein Appell an die Frauen lautet daher: Lassen Sie sich nicht davon abbringen, allein das frühzeitige Erkennen von Veränderungen im Darm kann die Entstehung von Darmkrebs verhindern, Leben retten und einen langen Leidensweg ersparen. Die Vorsorge gewinnt immer mehr an Bedeutung!

Wann und wo kann ich eine Vorsorge-Darmspiegelung durchführen lassen?

Dr. Stadler: Sie wird von spezialisierten Fachärzten oder bei uns im Klinikum angeboten. Derzeit werden diese Darmspiegelungen ab dem 55. Lebensjahr alle zehn Jahre (bei unauffälligem Ergebnis) von den Kassen übernommen. Mit Erfolg: Die Zahl der Menschen, die ab dem 55. Lebensjahr an Darmkrebs erkranken, ist seit Einführung der Darmspiegelung um 26 Prozent gesunken. Durch das Erkennen früherer Stadien sind darüber hinaus 21 Prozent weniger Patienten verstorben, diese konnten definitiv geheilt werden.

Genauere Informationen zu Darmerkrankungen, die Symptome, Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten erläutert der Chefarzt am Mittwoch, 27. März, um 18.30 Uhr in der Stadthalle Cham. Der Vortrag ist kostenlos.

 

 

Kontakt

Sana Kliniken des Landkreises Cham

Astrid Hausladen

Telefon: 09971 - 409 584 | Email: astrid.hausladen@Sana.de