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22.02.2019, Cham

Chefarzt Prof. Dr. Frank Weber referierte beim Treffen der Chamer Parkinson-Gruppe.

Medikamentöse Therapien gegen Parkinson im Fokus

Chefarzt Prof. Dr. Frank Weber sprach im Chamer Rot-Kreuz-Haus über die verschiedenen Möglichkeiten einer medikamentösen Therapie gegen den Morbus Parkinson.

Bild: Sana / Alexander Schlaak

Cham, 22. Februar 2019. Im Rahmen des Monatstreffens der Parkinson-Selbsthilfegruppe Cham sprach Prof. Dr. Frank Weber, Chefarzt der Abteilung für Neurologie an den Sana Kliniken des Landkreises Cham, am vergangenen Dienstag über medikamentöse Therapien gegen die langsam fortschreitende neurologische Erkrankung. Mehr als 30 interessierte Zuhörerinnen und Zuhörer waren für den Vortrag des erfahrenen Neurologen in das Chamer Rot-Kreuz-Haus gekommen. Zur Veranstaltung eingeladen hatte Frau Barbara Attenberger-Haimerl, die die Chamer Parkinson-Gruppe seit 2011 ehrenamtlich leitet und selbst auch regelmäßig Fortbildungen zum Thema besucht.

Die Parkinson-Krankheit oder der Morbus Parkinson betrifft bestimmte Gebiete des Gehirns (die Basalganglien), die an der Kontrolle der willkürlichen und unwillkürlichen Körperbewegungen beteiligt sind. Der fortschreitende Verlust bzw. die Degeneration von Nervenzellen in der Substantia nigra (schwarze Substanz), die den Botenstoff Dopamin herstellen, verursacht einen Mangel des Botenstoffes Dopamin im Gehirn. Der Mangel an Dopamin wiederum führt mit der Zeit – nachdem etwa 50-60% der Dopamin-produzierenden Zellen zugrunde gegangen sind – zu den klassischen und bekannten Symptomen wie Bewegungsarmut (Akinese), Zittern in Ruhe (Tremor), Muskelsteifheit (Rigor) sowie Gang- oder Gleichgewichtsstörungen. Deshalb wird die Parkinson-Krankheit im Deutschen auch als Schüttellähmung bezeichnet.

Die Ursachen, die das Absterben der Nervenzellen auslösen, sind weiterhin nicht im Detail geklärt. Die Therapie ist deshalb auf eine Behandlung der Symptome ausgerichtet. „Von zentraler Bedeutung sind in diesem Zusammenhang Medikamente, die auf eine Erhöhung des Dopaminspiegels einerseits und auf eine Reduktion von Acetylcholin und Glutamat (den „Gegenspielern“ bzw. Antagonisten von Dopamin) andererseits abzielen“, erklärte Prof. Dr. Weber.

Zur Erhöhung des Dopaminspiegels sei L-Dopa das wichtigste Medikament; eine Vorstufe des Dopamins, das im Gegensatz zu Dopamin die Blut-Hirn-Schränke überwinden könne. Daneben kämen dafür Dopaminagonisten, also dopaminähnliche Substanzen, oder Medikamente zur Hemmung des Dopaminabbaus zum Einsatz, wie Prof. Dr. Weber erläuterte. L-Dopa zeichne sich durch eine hohe Wirksamkeit, wenig Nebenwirkungen sowie geringe Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten aus. Allerdings habe es nur eine kurze Wirkdauer. Dopaminagonisten und Dopaminabbau-Hemmer hätten demgegenüber eine lange Wirkdauer, aber – im Vergleich zu L-Dopa – eine geringere Wirksamkeit und stärkere Nebenwirkungen.

„Im Allgemeinen sollten die Nebenwirkungen bei medikamentösen Therapien gegen den Morbus Parkinson immer im Blick behalten werden“, erklärte Prof. Dr. Weber. Im Zusammenhang mit der Gabe von L-Dopa führte er beispielsweise Übelkeit, Erbrechen, Magengeschwüre, Blutbildveränderungen, Blutdruckabfälle oder unwillkürliche Bewegungen auf. Im Falle von Dopaminagonisten oder Dopaminabbau-Hemmern kämen zum Beispiel Leberfunktionsstörungen, Geschmacksstörungen oder Atemstörungen als mögliche Nebenwirkungen hinzu. „Daher muss die Gabe von Medikamenten gegen Symptome des Morbus Parkinson immer individuell abgestimmt und vom behandelnden Arzt sorgsam abgewogen werden“, so Prof. Dr. Weber.

Dies gelte gerade auch für Medikamente zur Beeinflussung der Dopamin-„Gegenspieler“ wie Acetylcholin oder Glutamat, deren Einsatz auch Halluzinationen oder  Herzrhytmusstörungen nach sich ziehen könnte. Jedoch liege deren Vorteil im Ausgleich von Wirkungsschwankungen – so sind sie teilweise sehr gut wirksam gegen Tremor.

Mit einem Fortschreiten der Erkrankung werden oft mehrere Medikamente kombiniert, um eine ausreichende Wirksamkeit zu erzielen und Wirkschwankungen zu vermeiden. Treten Wirkschwankungen zwischen starker Unterbeweglichkeit und Überbeweglichkeit fortlaufend auf, seien im Einzelfall auch eine kontinuierliche L-Dopa-Infusion oder tiefe Hirnstimulation Mittel der Wahl. „Insgesamt ist zu konstatieren, dass eine medikamentöse Behandlung der Symptome des Morbus Parkinson heutzutage immer besser möglich ist, und Patienten gerade in den ersten Jahren ein nahezu unbehindertes Leben ermöglicht werden kann“, fasste Prof. Dr. Weber zusammen.

Im Anschluss an seinen Vortrag stand der Neurologe allen Zuhörerinnen und Zuhörern für Fragen zur Verfügung. Frau Barbara Attenberger-Haimerl bedankte sich bei dem Chefarzt der Sana Kliniken des Landkreises Cham und verwies auf die wichtige Bedeutung solcher Informationsveranstaltungen für Betroffene und Angehörige.

Kontakt

Sana Kliniken des Landkreises Cham

Alexander Schlaak

Telefon: 09971 409-2132  | Email: alexander.schlaak@sana.de